Liebe Zeitreisende aus dem Jahr 2026,
ich schreibe Euch aus einer Stadt, die sich in den vergangenen zwanzig Jahren grundlegend gewandelt hat. Wenn ich heute durch die Straßen Limburgs gehe, erinnere ich mich noch gut an die heftigen Debatten zurück, die wir in den 2020er Jahren über die Südumgehung führten. Doch dann kam die Einsicht: Eine Südumgehung hätte wertvolle Biotope zerstört, Frischluftschneisen vernichtet und bei Starkregen massive Probleme verursacht. Und mehr Asphalt bedeutet mehr Hitze – ein Problem, das wir in Zeiten des Klimawandels nicht brauchten. Also entschied sich Limburg für einen anderen Weg: Statt den Verkehr um die Stadt herumzuleiten, organisierten wir ihn anders. Mit umweltfreundlicher Mobilität, mit mehr Grün und mit einem echten Wandel im Mobilitätsverhalten. Schritt für Schritt baute die Stadt das Radwegenetz aus, verdichtete den öffentlichen Nahverkehr und begrünte die Straßenräume. Heute hat sich das ausgezahlt: Das Radwegenetz ist durchgängig und sicher. Von der Diezer Straße über die Schiede bis in alle Stadtteile führen baulich getrennte Radwege. Das Radfahren ist heute so selbstverständlich wie früher das Autofahren. Alle Ortsteile – Ahlbach, Dietkirchen, Eschhofen, Lindenholzhausen, Linter, Offheim und Staffel – sind heute hervorragend angebunden. Elektrobusse fahren in kurzen Takten. Limburg ist zum Verkehrsknotenpunkt im Landkreis geworden: Schnellbusse verbinden verschiedene Gemeinden direkt mit der Kernstadt, an allen Haltestellen gibt es Park-and-Ride-Parkplätze. Die Menschen sind nicht mehr auf das Auto angewiesen. Ein entscheidender Baustein war die Einführung eines subventionierten Tickets. Die Stadt bezuschusst das Deutschlandticket auf nur neunzehn Euro pro Monat. Für Schüler, Auszubildende und Studierende ist es kostenlos. Viele Familien haben ihr Zweitauto abgeschafft, manche sogar das einzige Auto. Wo früher Asphalt dominierte, stehen heute Bäume. Straßenzüge wurden mit Alleen bepflanzt, Fassaden begrünt. Die Schiede wurde mit Bäumen gesäumt, der Kornmarkt und die Grabenstraße bekamen schattenspendende Baumreihen. Das hat das Stadtbild verschönert und das Klima merklich verbessert. Die Temperaturen in der Innenstadt liegen im Sommer spürbar niedriger als vor zwanzig Jahren. Die Luftqualität hat sich deutlich verbessert – der beißende Geruch von Abgasen ist verschwunden. Die größte Veränderung ist die Atmosphäre. Limburg ist ruhiger, entspannter, lebenswerter geworden. Die Grabenstraße und der Neumarkt sind zu echten Begegnungsorten geworden. Menschen bleiben länger in der Innenstadt, genießen das Flanieren und Verweilen. Die Aufenthaltsqualität ist enorm gestiegen. Auch der Tourismus profitiert. Der Lahnradweg ist zu einem der beliebtesten Fernradwege in Hessen geworden. Die autofreie Altstadt lädt zum entspannten Bummeln ein. Hotels berichten von steigenden Buchungszahlen, Gastronomen von mehr Gästen. Limburg ist tatsächlich zu einer Modellstadt für die Verkehrswende geworden – weit über Hessen hinaus bekannt. Delegationen aus anderen Städten kommen regelmäßig zu Besuch, um von unseren Erfahrungen zu lernen. Darauf können wir stolz sein. Die Verkehrswende hat Limburg nicht geschadet, sondern gestärkt. Es wäre nicht ehrlich zu verschweigen, dass der Weg Mühe kostete. Es gab Diskussionen, Widerstände, Ängste. Doch die Stadt investierte in Kommunikation, nahm Bedenken ernst und bezog die Menschen ein. Nach und nach wuchsen Vertrauen und Akzeptanz. Heute sagen die meisten: Es war die richtige Entscheidung. Wenn Ihr diese Zeilen lest im Jahr 2026, steht Ihr vor genau diesen Entscheidungen. Ich kann Euch aus dem Jahr 2046 sagen: Der Mut zum Wandel hat sich gelohnt. Die Südumgehung hätte Natur zerstört, Hitze gebracht und die Probleme nur verlagert. Die Stadt ist heute lebenswerter, grüner, gesünder. Die Menschen sind zufriedener. Die Verkehrswende war keine Utopie, sondern eine realistische, machbare Entscheidung. Sie hat Limburg zu einer Stadt gemacht, in der man gerne lebt. Traut Euch, diesen Weg zu gehen. Die Zukunft ist näher, als Ihr denkt – und sie kann gut sein, wenn Ihr heute die richtigen Entscheidungen trefft.
Mit herzlichen Grüßen aus dem Jahr 2046
Eine zufriedene Limburger Bürgerin
*P.S.: Der Dom steht nach wie vor majestätisch über der Stadt. Nur die Luft davor ist klarer geworden – und die Aussicht vom Domfelsen auf das grüne Limburg ist einfach wunderbar.*
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